{"id":183,"date":"2016-06-10T20:12:30","date_gmt":"2016-06-10T20:12:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.aceyw-greeley.eu\/?page_id=183"},"modified":"2016-09-03T12:54:31","modified_gmt":"2016-09-03T12:54:31","slug":"leseprobe-mistydew-iii","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.aceyw-greeley.eu\/?page_id=183","title":{"rendered":"Leseprobe Mistydew III &#8211; Schattentraum"},"content":{"rendered":"<p><strong>Auszug aus dem Prolog<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Niemand bemerkte die einsame Gestalt, die auf der menschenleeren Anh\u00f6he stand und \u00fcber die Lichter der Gro\u00dfstadt starrte. Ein weiterer Tag neigte sich dem Ende zu.<br \/>\nStimmengewirr aus den belebten Gassen drang zu ihm empor. Er h\u00f6rte Musik, Leute, die lachten oder sich lautstark unterhielten.<br \/>\nMit leiser Wehmut dachte er an seine alte Heimat, wo Legenden noch allgegenw\u00e4rtig waren, wo Menschen den Geistern und D\u00e4monen geb\u00fchrenden Respekt zollten. Doch dorthin konnte er nicht mehr zur\u00fcck.<br \/>\nHier war alles anders. Eine Welt voller ungeduldiger, lauter Wesen, die versuchten, Zeit zu gewinnen, die nicht vorhanden war. Ganz anders als zuhause im Paradies.<br \/>\nNein, hier gefiel es ihm nicht. D\u00fcsternis und K\u00fchle, an die er sich nicht gew\u00f6hnen konnte, der L\u00e4rm, und die grelle unnat\u00fcrliche Beleuchtung.<br \/>\nEs gab so viele andere Pl\u00e4tze im Universum. Wieso nur hatte man ihn hierher geschickt? Selbst die gro\u00dfen H\u00f6hlen in den Bergen jenseits des gro\u00dfen Wassers w\u00e4ren besser gewesen, als dieser trostlose Ort hier.<br \/>\nIn dieser Gegend war es st\u00e4ndig feucht und viel zu kalt. Es stank nach den lauten Fahrmaschinen, die sich ohne Kamele oder Dromedare fortbewegten. Hartes, kaltes Metall, das mit einer einzigen Person alleine auskam.<br \/>\nM\u00fctter, wie T\u00f6chter, V\u00e4ter und S\u00f6hne, alle liefen herum, hatten Pl\u00e4ne, mussten so viel erledigen. Keine Beschaulichkeit, keine Ruhe, nur Rastlosigkeit, wohin er auch blickte.<br \/>\nVerbannt aus den wunderbaren Weiten seiner Welt, trieb er durch Zeiten und L\u00e4nder, die er nicht mehr verstand\u2013 nicht verstehen konnte.<br \/>\nSehns\u00fcchtig dachte er an seinen geliebten hei\u00dfen W\u00fcstenwind aus der Heimat. An die sich meilenweit erstreckenden Sandd\u00fcnen von Merzouga und die schier unermesslichen Zedernw\u00e4lder mit den gr\u00fcnen T\u00e4lern des erhabenen Atlas. Er sah die, mit Gold und Edelsteinen geschm\u00fcckten Hallen seines Palastes vor sich. Tief im wilden Land zwischen der W\u00fcste und den Bergen verborgen, am Rande alter Lehmd\u00f6rfer, die sich an das Bergland schmiegten.<br \/>\nPr\u00e4chtig schimmernde Smaragde und blutrot leuchtende Rubine schm\u00fcckten die hohen W\u00e4nde. Seidige Teppiche bedeckten marmorne B\u00f6den.<br \/>\nIm Geiste sah er seine T\u00f6chter vor sich, wie sie anmutig tanzten und fr\u00f6hlich die Hallen bev\u00f6lkerten \u2013 wie sie Feinde in ihre Fallen lockten und sie in ihren Bann zogen. Seine pr\u00e4chtigen T\u00f6chter, die ihm alle Ehre gemacht hatten, bis zu jenem ungl\u00fcckseligen Tag. Bis in alle Ewigkeit w\u00fcrden sie singen und tanzen, doch er w\u00fcrde sie niemals wieder sehen.<br \/>\nEr dachte an all die sch\u00f6nen Frauen in ihren anschmiegsamen, bunten Gew\u00e4ndern, die ihm stets mit Freude zu Willen gewesen waren. Alle waren so gl\u00fccklich gewesen. Er war gl\u00fccklich gewesen, mit ihr, deren Haare wie feingesponnenes Gold \u00fcber zierliche Schultern fielen. Warm und z\u00e4rtlich.<br \/>\nVon Liebe durchflutet und ohne Argwohn, war sie ihm in den Palast gefolgt. Entgegen alle Warnungen hatte er sich ihrer angenommen. Bis zu jenem ungl\u00fcckseligen Tag &#8230;<br \/>\nSchmerzerf\u00fcllt dachte er an ihr Ende. Blutig, unw\u00fcrdig &#8230;<br \/>\nDen schwachen Erdlingen Energien zus\u00e4tzlich zu entziehen, verstie\u00df gegen die Gesetze. Er haftete f\u00fcr die Taten seiner Kinder, also musste er nach der sch\u00e4ndlichen Tat seiner j\u00fcngsten Tochter seinem Reich den R\u00fccken kehren. Der gro\u00dfe Meister hatte ihm verboten, jemals wieder zur\u00fcckzukommen. Er hatte einen Fehler begangen. Er hatte sich den Geboten des gro\u00dfen Marid nicht, wie vorgegeben, unterworfen und war durch seinen Ungehorsam in die Verbannung geschickt worden.<br \/>\nSolange er nicht wiederkehrte, w\u00fcrden seine T\u00f6chter jedoch leben, und sein Werk fortsetzen. Sie waren stark. St\u00e4rker als er. Sie konnten bestimmen, ob Menschen sie sehen durften. Wenn sie wollten, reichten ihre Ber\u00fchrungen aus, um M\u00e4nner in ihren Bann zu ziehen. Auch waren all seine T\u00f6chter mit gro\u00dfer Sch\u00f6nheit gesegnet und w\u00fcrden allesamt bald heiraten. Sie w\u00fcrden pr\u00e4chtige S\u00f6hne geb\u00e4ren, die an seiner Stelle \u00fcber das Reich herrschten. Doch es w\u00fcrde ihm verwehrt bleiben, diesen Triumph mitzuerleben. Stattdessen befand er sich hier, in einem undankbaren Land, voller Hektik und Unruhen. Die Menschen, allesamt blass und unscheinbar, konnten keinem seiner Artgenossen das Wasser reichen.<br \/>\nBis auf die Eine \u2013 diejenige, die f\u00fcr ewig in seinem Herzen verbleiben w\u00fcrde.<br \/>\nEin St\u00fcck Seele \u2013 verloren in der Unendlichkeit des Seins. Nur der Schmerz, der w\u00fcrde ewig w\u00e4hren.<br \/>\nSie hatte mit Liebe \u00fcberzeugt, niemals h\u00e4tte er ihr ein Haar gekr\u00fcmmt, obgleich sie eine Menschenfrau war. Im Gegensatz zu den Erdlingen dieser Zeit. Schwache, undankbare Wesen, voller Argwohn und Scheinheiligkeit. Ganz anders als sie und bei weitem anders als sein Volk jenseits des gro\u00dfen Wassers.<br \/>\nAltbekannte Bilder glitten in seine Erinnerung.<br \/>\nDie engen Gassen seines Dorfes, die vielen St\u00e4nde im Suq, mit all den begehrenswerten Waren und den warmen, lebendigen Menschen.<br \/>\nWenn er wollte, konnte er alles vor sich sehen, als ob er noch dort w\u00e4re. Fast vermeinte er, die Gew\u00fcrze auf seiner Zunge zu schmecken, die vielen aromatischen D\u00fcfte wahrzunehmen. Kardamom, Safran, warmer Zimt, Muskat und Gew\u00fcrznelken. Duftende \u00d6le in anmutigen Beh\u00e4ltnissen, geflochtene K\u00f6rbe voller saftiger Datteln und Erdn\u00fcsse. Bunt geschm\u00fcckte Esel und Dromedare, gef\u00fchrt von ihren pr\u00e4chtig gekleideten Besitzern. Auch konnte er, wenn er sich konzentrierte, Ger\u00e4usche seiner Heimat wahrnehmen.<br \/>\nStimmengewirr, Kinderlachen, schwatzende, fr\u00f6hlich feilschende Frauen und M\u00e4nner, die ihren Tag am Markt begannen.<br \/>\nSchwerm\u00fctig sah er zum k\u00fchlen Nachthimmel empor. Selbst die Sterne, die dort oben leuchteten, erinnerten ihn an seine geliebte Heimat. Heimweh durchflutete jede Faser seines K\u00f6rpers.<br \/>\nErst als k\u00fchler Wind sein Gesicht streifte, wurde er unsanft aus seinen Erinnerungen gerissen.<br \/>\nSein Herz zog sich schmerzvoll zusammen, als er sich erneut in dieser fremden, ungastlichen Welt wiederfand.<br \/>\nDie Menschen hatten sich in den vielen Jahren seines Daseins nicht wesentlich ge\u00e4ndert, auch wenn sie das dachten. Nur mehr wenige hatten tats\u00e4chlich den Willen zu tr\u00e4umen, oder nahmen sich Zeit, f\u00fcr andere da zu sein. Macht und Gewalt herrschten \u00fcberall. Hier konnte er die K\u00e4lte sp\u00fcren, die diese Menschen ausstrahlten, konnte die Angst und die Wut riechen, die dominierte. Alle wirkten unstet, als h\u00e4tten sie kein bestimmtes Ziel.<br \/>\nEr f\u00fchlte die fremden Gedanken, las die unerf\u00fcllten W\u00fcnsche der resignierenden M\u00e4nner und Frauen, die l\u00e4ngst schon aufgeh\u00f6rt hatten, zu hoffen \u2013 oder sogar zu leben. Ein Suhlen in Selbstmitleid und Faulheit.<br \/>\nIhre Tr\u00e4ume jedoch brannten sich in seine Seele, wie gluthei\u00df spr\u00fchende Funken. Diesen unwirklichen Schmerz hie\u00df er willkommen, gab sich ihm hin, verband es ihn doch mit seinem Wesen.<br \/>\nEin hohles Lachen scholl zu ihm empor und riss ihn aus seiner Gedankenwelt. Der leichte Wind riss es mit sich fort und zur\u00fcck blieb die Leere einer Sommernacht. Bald &#8230;<br \/>\nBald schon w\u00fcrde er sich unter all diese Menschen mischen, ihren Duft in sich aufnehmen und seine Wahl treffen.<br \/>\nEr mochte sie eigentlich nicht \u2013 hielt sich lieber von ihnen fern, doch er brauchte sie, und einige brauchten ihn. Deswegen musste er noch eine Weile warten. Erwachsene Erdenwesen konnten ihn nicht wahrnehmen, da sie nicht aufmerksam durch das Leben schritten, wie die Kleinsten ihrer Art.<br \/>\nKinder gingen noch mit offenen Augen durch die Welt. Sie scheuten nicht davor zur\u00fcck, alles zu entdecken. Oft sah er sie, wie sie ihn musterten. Nicht \u00e4ngstlich, oder voller Hass, eher neugierig und mit einem L\u00e4cheln auf den Lippen. Dann erz\u00e4hlten sie etwas ihren M\u00fcttern, oder den V\u00e4tern, die einen ratlosen Blick auf ihn warfen, ohne ihn zu sehen.Kinder bewegten sich nicht verborgen durch das Leben, wie die Gro\u00dfen. Dadurch entdeckten sie oft Dinge, die Erwachsene anhand ihres beschr\u00e4nkten Horizontes nicht mehr wahrnahmen. &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Auszug aus Kapitel 1 &#8211; <\/strong><em>Casper \u2013 Wyoming<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Privatdetektiv Will Sawyer bremste vor einem sch\u00f6nen, alten Haus.<br \/>\n\u00bbDas ist die Adresse, Jul.\u00ab<br \/>\nJulian Weston betrachtete das Geb\u00e4ude missmutig. Es war zwar alt, doch sah auch ausgesprochen teuer aus.<br \/>\n\u00bbStinkt f\u00f6rmlich nach Geld\u00ab, murmelte er. Will nickte.<br \/>\n\u00bbOh ja, der Superstar hat es vor einem Jahr gekauft. Hoffen wir, dass unsere Verschwundene wirklich hier ist.\u00ab Wills grimmigem Tonfall war zu entnehmen, dass ihm der Besitzer des Hauses aufs \u00c4u\u00dferste missfiel.<br \/>\nSeit einer Woche durchk\u00e4mmten sie Wyoming nach der sechzehnj\u00e4hrigen Lorrie Fellner, die von zuhause ausgerissen war, um ihrer Lieblingsband \u201aHell Of Panic\u2018 zu folgen. Die Eltern des M\u00e4dchens, angesehene B\u00fcrger aus Casper, hatten Will Sawyer beauftragt, sie zu suchen, nachdem sie einen Brief gefunden hatten, indem ihre Tochter ihnen mitteilte, dass der Leads\u00e4nger Collin, sie geschw\u00e4ngert hatte.<br \/>\nDennoch war es nur der Aufmerksamkeit einer Kellnerin zu verdanken, dass sie Lorrie endlich aufsp\u00fcren konnten. Sie hatte dem M\u00e4dchen am Vortag ein Taxi gerufen und der Taxifahrer, ein netter Inder, erinnerte sich an die Adresse, die das M\u00e4dchen angegeben hatte.<br \/>\nUnd nun waren sie in Newcastle vor dem Haus, in dem der Rocks\u00e4nger sich aufhielt, wenn er nicht gerade auf Tour war.<br \/>\n\u00bbWieso sucht sich so einer nicht einfach eines von diesen d\u00fcrren Models?\u00ab<br \/>\nJulian war sauer. Die Eltern schienen nicht gen\u00fcgend Zeit f\u00fcr ihre Tochter zu haben und der Leads\u00e4nger war entfleucht, nachdem er Lorrie verf\u00fchrt und geschw\u00e4ngert hatte. Das verzweifelte M\u00e4dchen hatte scheinbar keinen anderen Ausweg gesehen, als abzuhauen, um diesem arroganten Mistkerl zu folgen.<br \/>\n\u00bbUnd wieso zum Teufel redet von diesen Herrschaften keiner miteinander?\u00ab, knurrte Julian.<br \/>\nWill zog eine Augenbraue hoch.<br \/>\n\u00bbHm, tja, das frag ich mich schon seit vergangenem Herbst\u00ab, brummelte er.<br \/>\nJulian tat, als h\u00e4tte er nicht verstanden, worauf Will anspielte. Er wusste genau, dass es um seinen \u00fcberst\u00fcrzten Aufbruch im Vorjahr ging, als er sein neues Zuhause, die Eagleside Ranch im Mistydew County verlassen hatte, um, wie er sagte, mit Will \u00fcber den Tod seiner Eltern und Schwester zu sprechen. Er war seitdem nicht wieder zu seinen Freunden Irene und Matt zur\u00fcckgekehrt, obwohl er oft daran dachte. Doch noch konnte er sich nicht dazu \u00fcberwinden. Er hatte Will verschwiegen, dass er und Irene sich n\u00e4her gekommen waren, als beabsichtigt. Nun wusste er nicht, was er tun sollte. Um diesem Gespr\u00e4ch erneut auszuweichen, zeigte er auf das Haus.<br \/>\n\u00bbSchau mal da!\u00ab<br \/>\nDie Veranda war, bis auf eine Hollywoodschaukel leer und die Haust\u00fcr stand einen Spalt offen, dennoch stand damit noch nicht fest, ob sich jemand im Haus befand.<br \/>\n\u00bbDa oben brennt Licht\u00ab, raunte Julian, w\u00e4hrend er auf ein offenes Fenster im Obergeschoss zeigte. Nun erkannte auch Will das diffuse Schimmern einer Lampe.<br \/>\n\u00bbGut, lass uns nachsehen, ob sie hier ist\u00ab, der \u00e4ltere Mann stie\u00df die Autot\u00fcr auf und stieg aus. Julian tat es ihm gleich und betrat noch vor Will die Veranda. Trotz der offenen Eingangst\u00fcr klopfte er. Der Druck seiner Hand lie\u00df die T\u00fcr noch ein bisschen aufgleiten.<br \/>\n\u00bbHallo! Jemand zuhause?\u00ab Julian trat vorsichtig \u00fcber die Schwelle.<br \/>\nKeine Antwort. Er rief nochmal, diesmal etwas lauter. Erneut meldete sich niemand.<br \/>\n\u00bbHm, das gef\u00e4llt mir nicht.\u00ab Er sah sich in der schattigen Diele um. Ein unbehagliches Gef\u00fchl beschlich ihn.<br \/>\nWill, der ihm gefolgt war, nickte unbehaglich &#8230;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Auszug aus Kapitel 2 &#8211; <\/strong><em>Eagleside Ranch<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Regen pl\u00e4tscherte gegen die Scheiben des Arbeitszimmers und Irene legte m\u00fcde ihren Bericht zur Seite.<br \/>\nEigentlich sollte sie das Wichtigste f\u00fcr das gro\u00dfe Ranchertreffen in der Stadt fertig haben, doch sie schweifte viel lieber ab, als sich auf langweilige Rancherproblematiken zu konzentrieren, au\u00dferdem war sie m\u00fcde.<br \/>\nIn der vergangenen Nacht hatte sie kaum ein Auge zugetan. Die Albtr\u00e4ume waren zur\u00fcckgekehrt, diesmal in ver\u00e4nderter Form. Sie rannte vor einem Wesen davon, das sie durch eine W\u00fcstenlandschaft jagte. Ehe er sie erreichte, war sie aufgewacht und konnte nicht wieder einschlafen. Wieso sie ausgerechnet in einer W\u00fcste herumrannte, konnte sie nicht verstehen, denn der Wendigo hatte sie durch das kalte Mistydew Gebirge gejagt, dennoch kam ihr die Handlung vertraut vor. Irgendwann gegen f\u00fcnf Uhr fr\u00fch war sie in ihr Arbeitszimmer gegangen, um an dem Bericht zu arbeiten.<br \/>\nIhr Job als freie Journalistin bei der gro\u00dfen Zeitung Cedars Tribune, gefiel ihr normalerweise, doch im Augenblick wollte sie sich lieber vergraben und sich von der \u00fcbrigen Welt zur\u00fcckziehen. Die Arbeit auf der Ranch h\u00e4tte ausgereicht, um zu \u00fcberleben. Auch hatte ihr verstorbener Onkel Ethan ihr genug vererbt, damit sie auch in schweren Zeiten \u00fcber die Runden kam.<br \/>\nIhr Job war es in erster Linie, traumatisierten Pferden zu helfen. Sie war eine Pferdefl\u00fcsterin, zumindest nannten die Pferdebesitzer der Gegend sie so. Egal wie problematisch ein Pferd war, sie hatte noch keines im Stich gelassen, auch wenn sie sich mehrmals dadurch in Gefahr begeben hatte.<br \/>\nZurzeit war es ruhig auf Eagleside. Im Augenblick gab es keine gro\u00dfen Problemf\u00e4lle, dennoch gab es genug zu tun. Sie hatten ein paar Felder, die sie selbst bestellten. Mais, Karotten, Kartoffel, allgemeines Gem\u00fcse, wie Salat, Kohl oder Kohlr\u00fcben, dass man selbst gut gebrauchen konnte, und die Wiesen, die sie f\u00fcr das Heu der Pferde brauchten. Dadurch gab es Arbeit in H\u00fclle und F\u00fclle, aber mit Hilfe der beiden Cowboys und Farmhelfer Ben Clay und Nick Wilder, gelang es ihr meistens, mit allem fertig zu werden.<br \/>\nIm Zimmer war es k\u00fchl, fast schon kalt, fand Irene.<br \/>\nOb es an der inneren K\u00e4lte lag, die sie seit jenem schrecklichen Erlebnis im Herbst begleitete? Sorgf\u00e4ltig zog sie ihre Strickjacke enger um den K\u00f6rper. Vermutlich hatte sie deswegen von der W\u00fcste getr\u00e4umt, um dieser K\u00e4lte zu entgehen.<br \/>\nMr. Lambeck, ihr Big Boss von der Cedars Tribune hatte ihr in den Mails garantiert alle Infos geschickt, doch sie f\u00fchlte sich noch nicht bereit, ihren Bericht abzugeben, zumindest redete sie sich das ein.<br \/>\nEigentlich wollte sie gar nicht nach Cedars. Die gro\u00dfe Stadt erschien ihr nach dem schrecklichen Erlebnis im Herbst, fremd und unendlich weit weg. In Wahrheit hatte sie nur Angst davor, sich gehen zu lassen und ein wenig Abstand von der Einsamkeit der Ranch zu bekommen.<br \/>\nEine Menge Gedanken st\u00f6rten ihre Konzentration, dabei hatte sie bereits alle wichtigen Fakten f\u00fcr den bevorstehenden Vortragstag beisammen. Es gab bereits eine komplette Liste der einflussreichsten Rancher aus dem Mistydew County. Au\u00dferdem hatte sie sich ein paar Randnotizen gemacht, die sie im Bericht mit einflie\u00dfen lassen konnte.<br \/>\nIrene war ge\u00fcbt darin, alte Infos mit neuen Geschehnissen zu einem nigelnagelneuen Artikel zusammenzufassen, sollte es notwendig sein. Au\u00dferdem verf\u00fcgte sie \u00fcber pers\u00f6nliche und berufliche Informationen zu allen bekannten Ranchern des Mistydew County. Bei einigen war sie beliebt, bei anderen verhasst, doch niemand zweifelte ihre Integrit\u00e4t an. Das machte sie bei ihrem Boss Mr. Lambeck unersetzbar, doch sie war nicht besonders erfreut \u00fcber diese Tage, an denen sie sich in Schale werfen, und schon am Vormittag Smalltalk f\u00fchren musste. Scheinheiligkeiten, langweiliges Blabla, dumme, manchmal auch geschmacklose Scherze, scheinbare Nettigkeiten, die bei genauerem Betrachten eher das Gegenteil waren. Ja, Irene wusste, wie es lief, sie wusste, wie es funktionierte, aber sie konnte es nicht ausstehen und im Augenblick waren ihre Gedanken nicht so kontrolliert, wie \u00fcblich. Sie w\u00fcrde in der Stadt h\u00f6llisch achtgeben m\u00fcssen, um nicht in diverse Gespr\u00e4chsfallen zu stolpern. Ihr einziger Lichtblick war Peter Lewis, der Vortragende. Er war unter Paint-Z\u00fcchtern sehr bekannt und gesch\u00e4tzt. Irene hatte schon zwei seiner Seminare besucht.<br \/>\nOhne den Bericht erneut in die H\u00e4nde zu nehmen, schlenderte sie zum Fenster und starrte hinaus.<br \/>\nDer Platz vor der Hausweide lag verlassen da. Der Regen hatte inzwischen die Erde aufgeweicht und das im Fr\u00fchling neu gewachsene Gras flach auf den Boden gedr\u00fcckt. Sie konnte vor ihrem geistigen Auge nach wie vor den alten, rotangestrichenen Trailer von Julian sehen. Julian, der hier ein neues Zuhause gefunden hatte und trotzdem wieder gegangen war.<br \/>\nNach dem Schrecken war alles noch verworren. Zuviel Grausames war passiert und hatte tiefe Wunden bei allen hinterlassen.<br \/>\nEine indianische Legende hatte Menschen entf\u00fchrt, und sie in einer Mine als Nahrung gehortet. Irene war in die F\u00e4nge dieses Wesens geraten, doch Askuwheteau, ein bekannter Indianer aus dem Indianerrat des County hatte sich geopfert, um sie zu retten. Sowohl er wie auch Julian waren durch das B\u00f6se mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert worden.<br \/>\nDie Polizei, die Ranger, alle waren auf den Plan getreten, um die Sache zu kl\u00e4ren. Danach hatte Irene f\u00fcr die Cedars Tribune einen Bericht \u00fcber einen Killergrizzly verfasst, der dank eines bekannten, mutigen Indianers aus Stormy Mills zur Strecke gebracht wurde. Es war der schwerste Bericht ihres Lebens gewesen, doch besser sie machte es, als irgendjemand anders, der keine Ahnung davon hatte.<br \/>\nEin paar Tage f\u00fcllte das Thema s\u00e4mtliche \u00f6rtliche Zeitungen, bis erneut der Alltag ins Land einkehrte.<br \/>\nAls Matt aus dem Krankenhaus zur\u00fcckgekehrt war und der Trubel sich legte, hatte Julian sich verabschiedet, um, wie er meinte, einiges mit seinem alten Freund Will zu kl\u00e4ren, der in Wyoming eine Detektei betrieb.<br \/>\nOb ihm das inzwischen gelungen war? Hatte er alles verarbeitet? Konnte er ruhig schlafen, ohne von Albtr\u00e4umen geplagt zu werden, so wie sie?<br \/>\n\u00bbWohl eher nicht\u00ab, sprach Irene zu sich selbst. Er war auch nur ein Mensch und sie hatte gesp\u00fcrt, wie tief das Erlebte an ihm nagte. Verst\u00e4ndlich, wenn man bedachte, dass er seine Mutter und seine Schwester an einem Monster verloren hatte.<br \/>\nEin dicker Klo\u00df bildete sich in ihrem Hals und Tr\u00e4nen stiegen ihr in die Augen. Ihr Abschied war nicht gut verlaufen. Zu verworren, zu viele nicht gekl\u00e4rte Einzelheiten und jetzt war es zu sp\u00e4t. Sie blinzelte die Tr\u00e4nen weg. Eigentlich wollte sie nicht st\u00e4ndig an ihn denken, doch er fehlte ihr.<br \/>\nAls der Sommer mit all seiner bunten Vielf\u00e4ltigkeit den Winter ausradiert, und ein Paradies im Mistydew County gezaubert hatte, schien die Welt wieder in Ordnung.<br \/>\nZumindest f\u00fcr die Meisten aus der Gegend. Aber Julian war fort und Askuwheteau w\u00fcrde niemals wiederkommen.<br \/>\nDas letzte Jahr hatte ihr Leben komplett auf den Kopf gestellt und es schien noch lange nicht vor\u00fcber. St\u00e4ndig hatte sie das Gef\u00fchl, dass das B\u00f6se, in welcher Gestalt auch immer, zur\u00fcckkehren w\u00fcrde.<br \/>\nAskuwheteaus Haus stand leer und verlassen da. Die Parkranger hatten es zwar als ein weiteres Schutzhaus in den Bergen in ihre Obsorge genommen, doch sie brachten es nicht \u00fcbers Herz, etwas daran zu ver\u00e4ndern.<br \/>\nGleich einem inneren Zwang zog es Irene immer wieder dort hin. Der Platz hatte etwas Tr\u00f6stliches, so als ob der Indianer noch immer vor Ort war, auch wenn sie ihn nicht sehen konnte. Nat\u00fcrlich war es Schwachsinn, so zu denken, aber sie wollte sich nicht von diesem Gef\u00fchl distanzieren.<br \/>\nUnwillig wischte sie sich eine Tr\u00e4ne aus den Augenwinkeln.<br \/>\nEin dezentes Klopfen riss sie aus ihren Gedanken.<br \/>\n\u00bbIst offen.\u00ab<br \/>\nSie wusste, dass es Matt war. Er schien ein Gesp\u00fcr f\u00fcr ihre Stimmungen zu haben, und tauchte immer in den richtigen, oder wenn man es so wollte, falschen Augenblicken auf.<br \/>\nEin dunkler Haarschopf erschien in der T\u00fcr, besorgte Augen musterten sie.<br \/>\n\u00bbIch dachte mir, du k\u00f6nntest einen Kaffee gebrauchen.\u00ab<br \/>\nSie nickte gedankenverloren, w\u00e4hrend er eine gro\u00dfe Tasse auf ihrem Schreibtisch abstellte &#8230;<\/p>\n<p><em>Ende der Leseprobe<\/em><\/p>\n<p>COPYRIGHT \u00a9 2016 A. C. Greeley<\/p>\n<p>Hinweis:<\/p>\n<p>Das Manuskript, einschlie\u00dflich all seiner Teile, ist urheberrechtlich gesch\u00fctzt.<br \/>\nJede Verwertung au\u00dferhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verfassers unzul\u00e4ssig und strafbar. Das gilt insbesondere f\u00fcr Vervielf\u00e4ltigungen, \u00dcbersetzungen, Mikrovervielf\u00e4ltigungen und die Einspeicherung und\/oder die Verarbeitung in elektronische<br \/>\nSysteme.<\/p>\n<p><em>Weitere Infos entnehmen Sie bitte den News auf dieser Seite.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auszug aus dem Prolog Niemand bemerkte die einsame Gestalt, die auf der menschenleeren Anh\u00f6he stand und \u00fcber die Lichter der Gro\u00dfstadt starrte. Ein weiterer Tag neigte sich dem Ende zu. Stimmengewirr aus den belebten Gassen drang zu ihm empor. Er h\u00f6rte Musik, Leute, die lachten oder sich lautstark unterhielten. 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